28.04.2014, von Franziska Gläsing
6378

Küssen – Die biologische Partnervermittlung?

Frau küsst Mann auf die Wange. Er hält ein Schild mit Herzsymbol in der Hand
In 70 Lebensjahren tun wir es durchschnittlich 110.000 Minuten, stolze 76,4 Tage: Küssen! Dabei setzen wir 30 verschiedene Gesichtsmuskeln ein, verbrennen circa 12 Kalorien pro Kuss und stärken durch den Austausch hunderter Bakterien und Millionen von Viren unser Immunsystem.* Ganz nebenbei gehört Küssen auch zu den schönsten Nebenbeschäftigungen der Welt.

Warum küssen wir?

Die Philematologie, die Wissenschaft vom Küssen, widmet sich diesem Thema in all seinen Facetten. Vor allem die Geschichte des Kusses spielt dabei eine interessante Rolle.

Eine animalische Theorie, die sich entgegen der Theorie des Kusses als Resultat der Brutpflege stellt, vertritt die Sexualwissenschaftlerin Ingelore Ebberfeld: "Die Vorfahren der Menschen haben sich bei Begegnungen gegenseitig am Hinterteil beschnüffelt und beleckt. Als aus den Vierbeinern aufrechtgehende Zweibeiner wurden, wanderte der Kuss gewissermaßen mit nach oben."1

Biologin Sarah Woodley hingegen ist Verfechterin der Idee, dass Küssen der Partnerwahl dient. Durch den Austausch von Geruchs- und Botenstoffen erkunden wir, welcher Partner zu uns passt. Wer oder was unangenehm riecht oder schmeckt, fällt dabei unserer natürlichen Auslese zum Opfer.2
 

Männer und Frauen küssen anders

New Yorker Wissenschaftler entdeckten den kleinen aber feinen Unterschied zwischen Männern und Frauen:

Während Sie mit einem Kuss beginnt, Vertrauen aufzubauen, dient es ihm oft nur als Sexgarant. Gerne kann es dabei seiner Meinung nach auch wild und mit Zunge zugehen. Sie dagegen setzt auf die dezentere Variante. In einer Beziehung ist Sie es, die Wert auf das Küssen legt. Er dagegen findet, dass Küssen mit steigender Dauer der Beziehung immer unwichtiger wird.3
 

Ein ganz besonderer Cocktail

61mg Wasser
0,7mg Albumin (Eiweiß)
0,16mg Drüsensekret
0,45mg Salz
0,76mg Fett
…ergeben den perfekten Kuss!4

Was gewöhnungsbedürftig klingt ist gesund. Was gesund ist macht uns glücklich. Beim Küssen schütten wir eine beachtliche Menge an Adrenalin und Endorphinen aus. Dieser Hormon-Cocktail sorgt bei uns nicht nur für die berühmt berüchtigten weichen Knie, sondern auch für ungeahnte Glücksgefühle.5
 

Kein Platz für Romantik?

Nach dieser ganzen Sachlichkeit bleibt die Frage nach der Romantik. Schließlich träumen wir vom Küssen nicht in Form einer biologischen Partnervermittlung. Vielmehr sind es die klassischen Küsse à la Vivien Leigh und Clark Gable in „Vom Winde verweht“, der spektakuläre Kopfüber-Kuss aus „Spiderman“ oder der Frauenherzen brechende Kuss zwischen Babe und Johnny in „Dirty Dancing“, die uns faszinieren.

Natürlich ist Küssen für uns mehr als ein evolutionsbiologischer Reflex. Nicht umsonst besiegeln wir die Eheschließung mit einem Kuss. Küssen steht für liebevolle Zuneigung, Zärtlichkeit und eine angenehme Nähe.

Was sind Ihre Assoziationen zum Thema „Küssen“? Können Sie sich noch an ihren ersten Kuss erinnern? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren:

So küssen Sie falsch – die häufigsten Fettnäpfchen
Interview mit Monika Matschnig: „Das Zauberwort lautet Blickkontakt“
Liebe in den Zeiten der Krise
Was ist Romantik im 21.Jahrhundert?
So flirten Sie richtig


Bewertungen insgesamt: 427
Bewertung:
Bewertung für diesen Artikel "Küssen – Die biologische Partnervermittlung?". Durchschnitt: 3.01 von 5 basierend auf 427
Kommentare