10.02.2014, von Franziska Gläsing
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Kleines Lexikon der Kussarten

Pärchen küsst sich hinter vorgehaltener Blume
Am populärsten ist er unter Liebenden: zärtlich oder wild, schmatzend oder feucht, gehört er zu den schönsten Liebesbekundungen der Welt – der Kuss. Natürlich erfreuen sich weltweit nicht nur Verliebte an diesem Lippenbekenntnis: Unser kleines Lexikon der Kussarten gibt Auskunft über die verschiedenen Kussformen und ihre Bedeutung.

Erst rechts oder links? Bleibt es bei einem Küsschen oder sind es am Ende gar drei? Der Begrüßungskuss gehört zu den gängigsten Kussarten und in vielen Ländern wie das Schütteln der Hand zum guten Ton! Dabei entscheidet der Ort über die Anzahl der Küsse.

In Frankreich, der Kuss-Nation Nummer Eins, werden regional abhängig bis zu fünf Begrüßungsbussis verteilt, wobei die Lippen leicht die Wangen berühren dürfen. Undenkbar ist dies in Spanien: Hier werden die Küsse nur leicht angedeutet. Dagegen darf im Nachbarland Portugal fröhlich geschmatzt werden – Allerdings nur in die Luft und auch nur bei Familie und unter guten Freundinnen.

Länderunabhängig wird übrigens meist von links nach rechts gebusselt!
 

Osculatio poculi – Der Trophäenkuss

Ob bei der Fußball Champions League, der Europameisterschaft im Springreiten oder bei den Olympischen Spielen: Nach gewonnenem Wettkampf werden Medaillen und Pokale geküsst, was das Zeug hält. Der Trophäenkuss ist Ausdruck der außergewöhnlichen Freude und des Stolzes über den errungenen Sieg.
 

Osculum fraternum socialisticum – Der sozialistische Bruderkuss

Heute existieren meist nur noch verstaubte Erinnerungen an ihn: den Bruderkuss. Berühmt wurde diese Kussart durch Erich Honecker und Leonid Breschnew, als Symbol der Gleichheit, Brüderlichkeit und Solidarität zwischen den sozialistischen Staaten. Dabei erfolgt diese Art des Kusses in Form einer Umarmung mit anschließendem Bussi auf beide Wangen, in einigen seltenen Fällen mit einem Kuss auf den Mund. 
 

Saviatio ranae – Der Froschkuss

Kleines Lexikon der Kussarten!Bekannt geworden durch „Der Froschkönig“ von den Gebrüdern Grimm, wird dieser Kussart nachgesagt, aus einem Frosch den persönlichen Traumprinzen zu machen. Vorzugsweise sollte diese Form des Kusses allerdings von einer echten Prinzessin vollzogen werden!

 

Basium iactum – Der Luftkuss

Beim Luftkuss wird das Bussi auf die Handfläche des Senders aufgebracht und dem Empfänger anschließend mit einer mehr oder weniger ausladenden Handbewegung zugeschickt. Unter allen Kussarten ist diese, die beste um auch weiter entfernten Personen seine Zuneigung auszudrücken.

 

Manus osculatio – Der Handkuss

Der Ursprung dieser Ehrerbietung liegt im Küssen des Siegelringes hoher geistlicher Würdenträger und galt als Zeichen der Unterwürfigkeit. Auch im Hochadel zeigten Männern Frauen so ihre Anerkennung, allerdings nur in geschlossenen Räumen.
 

Wer auch heute noch auf diese traditionelle Form des Kusses setzt, sollte folgendes beachten: Um nicht versehentlich im Dekolleté der Dame zu landen, gilt es Blickkontakt zu halten. Einer Verbeugung ähnlich neigt er sich dabei bis auf 20cm ihrer Hand entgegen. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass der Handkuss nur angedeutet, nicht aber tatsächlich vollführt wird!

 

Osculum mortis – Der Patenkuss

Ein Todesurteil der besonderen Art: Wer diesen Kuss erhält, hat keinen Grund zur Freude. Abtrünnigen Mafiosi küsst der Mafia-Pate auf die Stirn – als Zeichen dafür, dass sie totgeweiht sind. Allgemein bekannt geworden ist dieser Kuss, den glücklicherweise die Wenigsten jemals erhalten, durch Francis Ford Coppolas Mafia Epos „Der Pate“ aus dem Jahr 1972.
 

Basium mandalotum – Der Zungenkuss

Dieser Kuss gehört wohl zu den leidenschaftlichsten, erotischsten und intimsten Kussarten überhaupt. Wo er herkommt und seit wann er praktiziert wird, ist nicht zurückzuverfolgen. Wissenschaftler sind sich allerdings einig, dass der Zungenkuss entgegen seiner englischen Bezeichnung „French Kiss“ nicht aus Frankreich stammt. Diesen Namen hat er vermutlich erhalten, weil Frankreich seit Jahrhunderten als das Land der Liebe und Romantik gilt. Was läge also näher, als die populärste Liebesbekundung Europas danach zu benennen?

Übrigens: Der längste Kuss dauerte 58 Stunden, 35 Minuten und 58 Sekunden: Rekordhalter sind die Thailänder Ekkachai Tiranarat und Laksana Tiranarat.2 Undenkbar wäre dieses Unterfangen in dem Innsbrucker Lokal „Insieme“ gewesen: Hier gilt striktes Küssverbot für alle Liebenden!3

Kussarten in ihrer Vielfalt gehören zu den ältesten Gesten der Welt und sind als Ausdruck von Wertschätzung, Respekt und Zuneigung eine der schönsten nonverbalen Kommunikationsformen.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit den von uns vorgestellten Kussarten?

*Die Grafik kann honorarfrei unter Angabe der Quelle www.edarling.at verwendet werden.

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