03.02.2011, von eDarling Redaktion
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Liebe in den Zeiten der Krise

Mann läuft einsam die Straße entlang
Hat die Krise der Wirtschafts- und Finanzwelt Auswirkungen auf Partnerschaften? Angesichts der horrenden Summen, die zur Stabilisierung von Ländern und der europäischen Währung gehandelt werden, kann einem schon ein Gefühl der Unsicherheit beschleichen. Was die Zukunft bringt, kann niemand verlässlich vorhersagen, aber die vorherrschende Stimmungslage kann sich auf unsere Beziehungen auswirken.

Angst und Attraktivität

Krisenzeiten verbreiten Angst und erzeugen Stress. Wäre es da nicht zu vermuten, dass Singles zu gestresst seien, um sich neben dem Gelderwerb auch noch auf eine neue Partnerschaft konzentrieren zu können?

Dass dem mitnichten so ist, beweist das Brückenexperiment1 des Psychologen Arthur Aron. Werden Probanden über eine wackelige und unsichere Brücke geschickt und am anderen Ende von einer Person in Empfang genommen, so finden sie diese deutlich attraktiver, als wenn sie über eine sichere Brücke gegangen wären.

Die amerikanische Anthropologin Helen Fisher2 von der Rutgers-Universität erklärt diesen Effekt. Für den Körper sind der finanzielle Druck und die Angst vor Arbeitslosigkeit in der Krise vergleichbar mit der Situation auf der wackeligen Brücke. In beiden Fällen steigt der Dopaminspiegel. Dieses Glückshormon wird ebenfalls vermehrt ausgeschüttet, wenn wir uns verlieben, weshalb die Attraktivität der uns umgebenden Personen steigt.
 

Die Krise als Chance für die Liebe

„Stress kann bewirken, dass man sich von anderen Personen angezogen fühlt, man ist schlicht empfänglicher für romantische Gefühle“, erklärt Fisher. Und wirklich belegen Zahlen, dass die Krise sich in Bezug auf Beziehungen eher positiv niederschlägt. So verzeichneten Online-Partnervermittlungen ansteigende Werte bei den Zugriffen.

Auch Sexshops in den verschiedensten Ländern konnten sich über Rekordzahlen in Folge der Krise freuen. Das Bedürfnis und die Empfänglichkeit für zwischenmenschliche Zuneigung steigen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
 

Frust statt Lust

Damit sollen aber die negativen Folgen einer Rezession innerhalb von Partnerschaften nicht kleingeredet werden. Wenn der Arbeitsplatz verlorengegangen ist oder plötzlich mehr gearbeitet werden muss, um den Jobverlust des Partners auszugleichen, kann der Frust schnell zur Hemmschwelle für sexuelle Aktivitäten werden, so Denise Knowles von der britischen Paarberatung „Relate“. Damit einhergehend sinkt zumeist das Selbstwertgefühl der Betroffenen, was ebenfalls zur Konsequenz hat, dass die Lust abnimmt.

Da die männliche Potenz von einem höheren Selbstwertgefühl profitiert und der weiblichen Erregung ein Mangel an Sicherheit und Geborgenheit im Wege steht, kann die Beziehung, in sexueller Hinsicht, Schaden nehmen, erklärt die Psychologin Susan Quilliam. Demnach stellt die Krise in erster Linie für direkt betroffene Paare eine nicht nur finanziell schwierige Phase dar, wohingegen Singles sich berechtigte Hoffnung machen dürfen, dass ihre Chancen bei der Partnersuche steigen.
 

Die „Rocksaum-Theorie“ und Co.

Besagte Theorie geht auf den US-Ökonom George Taylor zurück. Bereits 1926 wies er auf eine Beziehung zwischen der Rocklänge der Frauen und der allgemeinen Wirtschaftslage hin. Immer wieder wurde dieser Ansatz belächelt und doch zeigte sich, dass mehrere Folgestudien zu ähnlichen Resultaten kamen. Die Theorie besagt, dass der Aufschwung die Röcke kürzer werden lässt, wohingegen eine Depression daran zu erkennen sei, dass längere Röcke in Mode sind.

Diese Annahmen wurden zuletzt bestätigt im Jahr 2010 durch die Studie3 „The hemline and the economy: is there any match?“ (dt.: Der Rocksaum und die Wirtschaft: Gibt es einen Zusammenhang?) des Econometric Institutes der Erasmus School of Economics von M. van Baarswijk und P. H. Franses Taylors. Allerdings räumen sie ein, dass die Mode mit einer Verzögerung von etwa drei Jahren der Wirtschaftslage hinterherhinkt.

So ungewöhnlich diese Korrelation auch anmutet, leuchtet es doch ein, dass Frauen mehr Spaß an Sex und freizügiger Kleidung haben, wenn sie grundsätzlich positiv gestimmt sind. Droht hingegen eine Krise wird das Outfit seriöser und die Lust nimmt ab.
 

Die Breite der Krawatten

Neben den eben genannten gibt es noch eine Unmenge anderer Theorien über die Breite der Krawatten und zur Absatzhöhe des Schuhwerkes etc. Keine kann Ihnen sagen, wie die Zukunft wird. Fakt ist jedoch, dass wirtschaftlich schlechte Zeiten nicht nur auf die Mode, sondern auch auf bestehende Partnerschaften einen Einfluss ausüben können und das Verhalten von Singles verändern.

Apropos Mode; das Deutsche Mode-Institut erklärt zur Frauenmode im Frühjahr/Sommer 2011: „Beine bleiben im Blickfeld. Die Rocksäume enden über dem Knie. Nur zu Gartenpartys oder auch mal `just for fun` werden lange Kleider getragen. Eine Renaissance der langen Hippie-Röcke ist nicht zu befürchten.“ Hoffen wir mal, dass die Experten recht behalten.

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