von eDarling Redaktion
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Gewalt gegen Frauen: Mehr Aufklärung ist gefordert

Frau schaut ängstlich in die Kamera
Psychologin Dr. Wiebke Neberich spricht über die Ursachen von Gewalt gegen Frauen. Anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen geht Sie besonders auf psychische Hemmnisse ein, die Frauen an eine Gewaltbeziehung binden.

Es ist schon wieder passiert. Dabei versprach er ihr vor einer Woche, dass er sie nie wieder schlägt. Er flehte regelrecht, sie dürfe ihn nicht verlassen, es sei eine einmalige Sache gewesen – etwas, das nie wieder geschehen würde. Irgendwann glaubte sie ihm und entschied, die Angelegenheit zu vergessen. Nun steht sie weinend vor dem Badezimmerspiegel, betrachtet ihr geschwollenes, blaues Auge und weiß nicht mehr weiter. Er hat sein Versprechen gebrochen.

Diese Geschichte beschreibt leider keinen Einzelfall und kommt in allen sozialen Schichten vor, bestätigt Psychologin Dr. Wiebke Neberich. Gewalt kann in diversen Formen auftreten, das zeigt sich auch in den zahlreichen Definitionen des Begriffs.Generell wird zwischen physischer und psychischer Gewalt unterschieden. Psychische Gewalt geht fast immer physischer Gewalt voraus.

Wenn man die Würde des Anderen verletzt, sei es durch körperliche Bedrohung oder verletzende Worte, kann man von Gewalt sprechen. - Dr. Wiebke Neberich

 

Frauen sind häufiger Opfer von körperlicher Gewalt

Allgemein gilt: Gewalt gegen Frauen kommt sehr viel häufiger vor als die umgekehrte Konstellation, in der Frauen als Täterinnen agieren.1 Dr. Neberich nennt drei von vielen Ursachen:

  1. Männer sind in der Regel stärker. Sie können mit Muskelkraft ihr Macht- und Kontrollbedürfnis durchsetzen.
  2. Männliche Hormone,wie Testosteron können Aggressionspotential steigern.
  3. Die unterschiedliche Erziehung der Geschlechter färbt ihr Konflikt-Verhalten. Während bei Mädchen Gewalt tabuisiert wird, gelten Raufereien bei Jungen als normal.

 

Warum schlagen manche Männer zu?

Gewalt gegen Frauen eskaliert meist, wenn die Veranlagung des Mannes auf bestimmte Beziehungs-Konstellationen trifft. Stress, Abstiegsängste oder eine konfliktreiche Kindheit können die Situation zusätzlich verschärfen – stärkere Männer verletzen Ihre Frauen oft schwer.

Die Täter missbrauchen ihre Kraft, um Emotionen abzubauen. Oft üben sie Gewalt aus, um ihre Frauen an sich zu binden oder macht zu demonstrieren. - Dr. Wiebke Neberich

Frauen hingegen entscheiden sich meist für andere Taktiken zur Konfliktlösung, wie Schreien oder Weglaufen.
 

Die Widerstände auf dem Weg zur Trennung

Misshandelte Frauen bleiben häufig bei ihren Partnern. Außenstehende reagieren darauf oft mit Unverständnis. Laut Dr. Neberich gibt es für dieses ambivalente Verhalten verschiedene psychologische Erklärungsansätze:

Frauen mit negativem Selbstbild erfahren eine gewisse Bestätigung durch Partner, die sie respektlos behandeln oder sogar misshandeln. - Dr. Wiebke Neberich

Spiegelt ihr Gegenüber ein vertrautes - also negatives - Bild, erkennt sich die Frau darin wieder. Dies führt zu einem kontinuierlichen Verlust des Selbstwertgefühls. Ein weiterer Prozess, der es vielen Frauen schwer macht, sich zu trennen, ist die intermittierende Verstärkung:

Durch unvorhersehbare, seltene, und schöne gemeinsame Momente keimt die Hoffnung, alles würde gut. Diese Hoffnung erschwert es, den Schlussstrich zu ziehen - Dr. Wiebke Neberich

Zudem fürchten viele Frauen eine Trennung, durch drohende finanzielle oder soziale Abhängigkeit.
 

Wege aus der Gewaltbeziehung

Jegliche Gewalt gegen Frauen ist inakzeptabel. Jede Frau hat das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Ich empfehle Opfern von Gewalt, Kontakt mit Familie und Freunden zu suchen und das Schweigen zu brechen. - Dr. Wiebke Neberich

Neben dem Aktivieren des sozialen Netzwerkes können auch Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen helfen, einen Weg aus der Gewaltbeziehung zu finden. Misshandelte Frauen sollten außerdem Schutz in anonymen Frauenhäusern suchen und die Polizei verständigen.

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