30.01.2012, von eDarling Redaktion
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Treue: Tabus, Tipps & Tatsachen

Frau ist verärgert, weil ihr Mann einer anderen hinterherschaut
Das konventionelle Konzept von Treue fordert, dass Liebe und sexuelles Begehren außerhalb einer geführten Partnerschaft tabu sind. Doch auch wenn in den wenigsten Fällen Taten folgen, „denkt" oder „blickt“ fast jeder im Laufe einer Beziehung ab und zu fremd – hiervor sind selbst glückliche Paare nicht gefeit. Bedeutet dies, dass der Mensch von Natur aus untreu ist und den gesellschaftlichen Anspruch nach Treue kaum einhalten kann? Müssen wir unser herkömmliches Konzept von Treue neu überdenken?

Wenn zwei verliebte Menschen die Entscheidung treffen, eine Partnerschaft einzugehen, steht das implizite Versprechen im Raum, die Verantwortung für die Gefühle des Anderen zu übernehmen.  Das bedeutet, dass in einer Beziehung bestimmte Werte und Grenzen gelten, die es einzuhalten gilt, um den Partner nicht zu verletzen. Insbesondere der Anspruch auf die Exklusivität der Gefühle füreinander sowie das Versprechen einander treu zu sein, spielen für viele Paare eine elementare Rolle. Allerdings kann die Definition von Treue ganz unterschiedlich ausgelegt werden.
 

eDarling-Umfrage: Was bedeutet Treue für eine Partnerschaft?

In einer kürzlich erhobenen Umfrage befragte  eDarling  etwa 500 Mitglieder zum Thema Treue in einer Partnerschaft. Es gaben 83 % der Teilnehmer an, einen Seitensprung des Partners nicht verzeihen zu können und dass dieser Betrug ein ernsthafter Grund wäre, die Beziehung zu beenden.
 

Wiegt geistige Untreue schwerer als ein sexueller Seitensprung?

Zudem wurde gefragt eDarling-Mitglieder , was nach Meinung der eDarling-Mitglieder eine Beziehung mehr gefährden würde: sexuelle oder emotionale Untreue? Während die Mehrheit der Frauen angab, dass intensive Gefühle für eine Konkurrentin schmerzlicher wären als ein sexueller Seitensprung des Partners, gilt für die Überzahl der befragten Männer ein sexuelles Abenteuer der Partnerin außerhalb der Beziehung als unverzeihlich.

Die Psychologin Dr. Wiebke Neberich kommentiert die Ergebnisse folgendermaßen: „Männer können Sex und Liebe tendenziell besser voneinander trennen als Frauen. Mit diesem Wissen bewerten Frauen die emotionale Treue des Mannes als einen besseren Indikator für sein zukünftiges Commitment. Bei Frauen hingegen hängen Sex und Liebe stärker miteinander zusammen.“
 

Treue – eine Frage der Biologie?

Die Frage ist jedoch: Warum gehen Menschen überhaupt fremd? Warum setzen sie ihre Beziehung aufs Spiel und nehmen die Tatsache in Kauf, den Partner zu verletzen? Für Evolutionsbiologen gibt es eine nüchterne Erklärung: Die Chance, dass die eigenen Gene verbreitet werden, wächst sowohl mit der Qualität als auch mit der Quantität der Geschlechtspartner. Untreue erscheint aus dieser Perspektive absolut natürlich und in der Biologie des Menschen verwurzelt. Somit gibt die Evolutionsbiologie notorischen Fremdgehern einen fragwürdigen Freifahrtsschein, angeblich weil der Mensch gegen seinen Urinstinkt nach Wachstum und Fortpflanzung machtlos ist. Doch ist das Prinzip der Treue tatsächlich „nur“ ein gesellschaftliches Konstrukt, wider der Natur des Menschen? 
 

Die Sehnsucht nach Geborgenheit

Treue drückt den Wunsch nach tiefer und sicherer Bindung aus. Fast jeder Mensch sehnt sich danach, geliebt zu werden. Haben wir jemanden gefunden, der uns ebenso liebt, wie wir ihn, dann vermittelt uns dies ein angenehmes Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Da die Liebe jedoch selten und kostbar ist, möchten wir diesen Menschen, mit dem wir sie erleben, nicht verlieren. Was könnte demnach schmerzlicher sein, als der Verlust der emotionalen und sexuellen Exklusivität?
 

Tipps für Paare, die mit Untreue kämpfen

Wer seinem Verlangen nach einem aufregenden Seitensprung auf den Grund geht, wird entdecken, dass die Ursache meist auf eine mangelhafte Qualität der aktuellen Partnerschaft zurückgeführt werden kann. Emotionale Faktoren, wie fehlende Aufmerksamkeit oder ungenügendes Verständnis füreinander, erhöhen in den meisten Fällen die Versuchung, dem Bedürfnis nach einem amourösen Abenteuer nachzugehen.

Wagen Sie einen Perspektivwechsel! Suchen Sie gemeinsam nach den Ursachen, anstatt im Streit über die Wirkung eines Seitensprungs oder aus verletztem Stolz, Ihre Liebe zu riskieren. Treue kann nur in Beziehungen erwartet werden, in denen beide Partner aktiv an Ihrem Verständnis füreinander sowie an der Befriedigung emotionaler und sexueller Bedürfnisse arbeiten.
 

Treue ist ein Privileg

Auch wenn es in manchen Situationen schwer fällt: Suchen Sie stets den Dialog mit Ihrem Partner. Teilen Sie ihm mit, was Sie stört, bewegt oder Angst bereitet. Definieren Sie gemeinsam Grenzen und sprechen Sie über Ansprüche und Bedürfnisse. Treue ist nicht nur ein Gebot oder eine Abmachung, die Sie einhalten sollten, sondern vielmehr ein Privileg, was Sie und Ihr Partner sich jeden Tag aufs Neue verdienen müssen.

Rita Großmann, eDarling Redaktion 2012

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